FederLesen

Wo die Winde wehen braucht kein Doktor stehen

Sicher haben Sie das obige Sprüchlein schon einmal gehört, das gerne von jemand vom Stapel gelassen wird, wenn ob seiner abgelassenen Flatulenz andere die Nase rümpfen. Es schickt sich halt nicht, zumindest heutzutage. Und, obwohl Martin Luther der Satz »warum rülpset und furzet ihr nicht, hat es euch nicht geschmecket?« zugeschrieben wird, schickt es sich in unserer Zeit für protestantische Familien ebenso wenig wie für katholische oder gar – Heiliger Sankt Blasius, Schutzpatron bei Blähungen steh uns bei – atheistischen Personen.

Jetzt ist es aber an der Zeit, mich für das heutige Thema bei meinen geschätzten FederLeserinnen und -Lesern zu entschuldigen, denn über Flatulenzen zu schreiben ist ja beinahe genauso unschicklich wie selbige außerhalb des stillen Örtchens (von wegen: still!) in die Umwelt abzulassen. Da Lesen bekanntlich Abenteuer im Kopf sind, ist jedoch allfälliges Erschnuppern olfaktorisch fraglicher Gerüche beim Lesen des heutigen Beitrags mehr Einbildung als Realität. Es sei denn, aber lassen wir das …

Wenn angeblich in jedem alten Sprüchlein ein Körnchen Wahrheit steckt, woher kommt es dann, dass in Zusammenhang mit Flatulenzen »kein Doktor stehen« muss? Ist da was dran? Genau dieser, doch essentiellen Frage widmete sich ein Forscherteam unter der Leitung von Dr. Mark Wood von der University of Exeter in England.

Da ich Sie mit den Details dieser Studie nicht langweilen will und mein Chemieunterricht, als wir von den Schwefelwasserstoffen gelernt haben, auch schon ein paar Jahre zurück liegt, möchte ich das Ergebnis nur kurz zusammenfassen.

Darmwinde bestehen unter anderem auch aus Schwefelwasserstoffen, also jener chemischen Verbindung, die auch für den für unsere heutigen Nasen als unangenehm empfundenen Duft sorgen. Und es seien nun genau diese Schwefelwasserstoffe, die, in geringen Mengen wohlgemerkt, in der Lage sind sogenannte mitochondriale Schäden unserer Körperzellen wieder gut zu machen, zu heilen.

Ich quäle Sie jetzt nicht damit zu erklären was Mitochondrien sind (ich hab’s gegoogelt und nicht verstanden – googeln Sie bitte bei Interesse selbst). Jedenfalls sind starke, gesunde Mitoch…eh-schon-wissen dafür zuständig uns vor Krankheiten wie Schlaganfall, Herzinsuffizienz, Diabetes, Arthritis oder gar Krebs zu schützen.

Wieso diese Mitoch…dings zur Stärkung Schwefelwasserstoff brauchen, hab‘ ich auch nicht verstanden, aber die Forscher aus Exeter werden’s schon wissen. Was unsereinem das Schnitzerl oder Schweinsbratel ist denen halt ein Schwefelwasserstofferl – jedem sein Gusto.

Wenn also demnächst ihr Liebster oder ihre Liebste eine Flatulenz lautstark und mit olfaktorischem Getöse von sich gibt, rümpfen Sie nicht die Nase und weisen Sie ihn oder sie nicht zurecht, sondern nehmen Sie es als Liebesbeweis, dass er oder sie etwas für Ihre Gesundheit tut.

Zum Abschluss möchte ich in dem Zusammenhang noch einmal Martin Luther zitieren, der ja wahrlich ein kluger Mann war: »Aus einem verzagten Arsch kommt kein fröhlicher Furz«. In diesem Sinne, lassen Sie sich Ihr nächstes Bohnengulasch gut schmecken und seien Sie im Sinne Luthers nicht »verzagt«, sondern furzen Sie »fröhlich«. Der Gesundheit zuliebe!

2024 10 10/Fritz Herzog

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