FederLesen

Anglizismen und andere Sprach(ver)störungen

Beim Sender Radio Wien gibt es so eine Art Quizsendung, wenn man dort anruft und eine Frage richtig beantwortet, gewinnt man einen »shopping bag«, ja, tatsächlich »ä schopping bäg«, zu Deutsch, man gewinnt »a Einkaufsackl« oder, für meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser jenseits des Inn, »ne Einkaufstüte«.

Warum shopping bag und nicht Einkaufsackl, das erschließt sich mir nicht. Vielleicht weil es »cooler« klingt. Jössas, schon wieder ein Anglizismus: cooler, also kühler?, kälter? Nein, das passt alles nicht. »Lässig« beziehungsweise in der Steigerungsform »lässiger« passte noch am ehesten.

Kommen wir wirklich nicht mehr ohne diese Anglizismen in unserer Sprache aus? (Nur zwischendurch ein kleiner sprachlicher Hinweis: Bei Anglizismen handelt es sich nicht um Zubehör zum Angeln – klingt ähnlich, ist aber etwas ganz anderes). Anglizismus selbst ist ja auch so ein Wort; wie übersetzt man es? »Englischkeiten«? Das wäre zwar passend, aber das Wort gibt es nicht.

Die nächste Frage ist, wohin geht man mit einem »shopping bag«? Also eher nicht zum Billa oder Spar ums Eck. Dorthin geht man (noch?) einkaufen und nicht shoppen. Und – verzeihen Sie dem Macho in mir den kleinen Ausrutscher – kein Mann geht in den Baumarkt oder ins Lagerhaus »shoppen«. Das »Shopping« ist also mehr der Damenwelt vorbehalten, wenn sie durch die Boutiquen und Schuhgeschäfte auf der Suche nach dem neuesten Stück schlendern, jedes Teil angreifen, einige probieren und vielleicht etwas erwerben bis die »debit-card« glüht.

Kaum in der Boutique angekommen geht es mit den Anglizismen erst so richtig weiter: Von »Bluejeans« (blaue Hose?) über »T-Shirts« (ein Leiberl) bis zu »Shorts« (kurze Hose) gibt es alles und von den »Strapsen« drunter bis zum »Blazer« drüber wird kein Kleidungsstück ausgelassen. Damit ist es aber längst noch nicht getan, denn was »slim fit« ist, ist mir ebenso unklar wie »regular fit«. Aber das liegt wahrscheinlich daran, dass ich mehr der Typ »XXLarge« und weniger »fit« bin.

Doch lassen wir die Anglizismen, wenden wir uns lieber der unserer eigenen Sprache zu. Waren Sie »an Allerheiligen« am Friedhof oder »zu Allerheiligen«? Was machen Sie »an Weihnachten« oder »zu Weihnachten«? Wenn ich in dem Zusammenhang das Wort »an« höre, dann geht mir schon abwechselnd das Geimpfte auf oder es kommt mir der Kakao von der Erstkommunion hoch. »An« ist immer räumlich gemeint (Bruck »an« der Mur zum Beispiel) und niemals zeitlich. »Zu« ist zeitlich! Man kommt »zu spät« oder »zu früh«, oder sagt man irgendjemand »an spät« oder »an früh«? (Hoffentlich hab‘ ich jetzt niemand auf blöde Ideen gebracht und ich höre das demnächst so).

Oder, noch schlimmer, wenn das Kind von der Schule heimkommt und stolz berichtet, es hätte auf die Prüfung »eine Eins« bekommen. Himmelherrschaftfixnocheinmal, du hast einen »Einser«, keine »Eins« und sollte es jedoch »eine Fünf« sein, so machte es die Sache nur doppelt schlimm!

So, jetzt hab‘ ich mich a bissl abreagiert. »Sorry« (um selbst noch einmal in einen Anglizismus zu verfallen), meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser, und, achja, fast hätte ich es vergessen, der Genitiv liegt nicht am Sprachfriedhof, wo wir ihm zu Allerheiligen a Kerzerl anzünden können, er lebt, denn es heißt immer noch »wegen des …« und nicht »wegen dem …«. Aber das, leicht resignierend, abschließend nur nebenbei.

2024 11 03/Fritz Herzog

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