Neujahrsvorsätze und andere Unsinnigkeiten
Und? Heute ist immerhin schon der 4. Jänner und folglich höchste Zeit für einen ersten Rückblick samt Resümee auf die vergangenen drei Tage. Wie läuft’s 2026? Wie sieht es aus mit den guten Vorsätzen? Noch alles vorsatzmäßig im grünen Bereich? Oder ist alles beim Alten? Warum sollten Vorsätze, die 2025 und all die Jahre davor in frizzantegeschwängerten Neujahrsnächten zwischen »Dinner for One«, Bleigießen und Champagnerkorkenknallen formuliert wurden, jetzt plötzlich halten?

Wie läuft das denn ab? Da ist zum Beispiel der Vorsatz weniger zu essen, um dem Bauchspeck einmal ordentlich zu Leibe zu rücken und diesen in einen knackigen Sixpack umzuwandeln. Dass man nach üppig mit Mayonnaise belegten Lachsbrötchen mit anschließendem Raclette oder Fondue und dem Verzehr von mehreren Marzipanschweinderln, wenn kein Schnaps und kein Alka Seltzer mehr vor der Magenverstimmung helfen kann, an eine Diät denkt, leuchtet noch ein. Aber spätestens am 2. Jänner stellt sich wieder der Hunger und der Gusto ein. Vielleicht sind auch noch Restln der Völlerei und ein paar Weihnachtskekse übrig und bevor die dem Verderben anheimfallen, isst man sie mit Genuss. Schließlich soll man ja keine Lebensmittel wegwerfen – sozusagen Vorsatzbrechen als gute Tat.
Ähnlich verhält es sich auch mit dem Vorsatz weniger Alkohol zu trinken. Dass man nach mehreren Gläsern schweren Weines, dem Zuprosten mit Sekt und Champagner und dem einen oder anderen Verdauungsschnapserl, wenn der Schädel brummt und die Aussprache zusehends undeutlicher wird, ein Gelübde für »Nie wieda Alo- Alohol« fasst, ist verständlich. Aber am Tag danach? Es muss nicht bei einem Reparaturseidl bleiben. Oder?
Mehr Sport? Ja, mehr Sport, das ist gut! Aber heute? Echt jetzt, heute? Nein, morgen. Morgen ganz sicher. Blöd nur, dass jedem heute ein morgen folgt und damit kann man sich problemlos durch das ganze Jahr bis zum nächsten Silvester durchhanteln. Sie fragen, ob das geht? Glauben Sie mir, ich spreche aus Erfahrung.
Mit dem Sport steht das »Mehr-bewegen-in-frischer-Luft« in einem engen Verwandtschaftsverhältnis. Aber jetzt frag ich Sie, meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser, wollen Sie wirklich bei Minusgraden, wenn es draußen stürmt und schneit, hinaus? Auf so oberg’scheite Sprüche a la »es gibt kein schlechtes Wetter, nur falsche Bekleidung«, auf die pfeif ich. Neben dem warmen Ofen ist es doch viel gemütlicher.
Die Liste der besten Vorsätze ließe sich noch lange fortsetzen. Mehr Bücher lesen, mehr Theater und Konzerte besuchen, Freundschaften besser pflegen und so weiter und so fort. Oder, wenn man ein bissl zeitgeistiger ist, wie wäre es mit Smartphonefasten, also auf Instabook, Facegram, TokTik und wie diese Plattformen, die die Menschen oft genug blöd-formen, alle heißen, zu versuchen? Doch für jeden einzelnen Vorsatz finden Sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zahllose Gründe warum es nicht möglich ist, sie in die Tat umzusetzen.
In diesem Sinne, meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser, genießen Sie 2026 und wenn alle Stricke reißen und Sie keinen Vorsatz umsetzen, in 361 Tagen, zu Silvester 2026 haben Sie die nächste Chance auf gute Vorsätze, dann halt für 2027 und ad infinitum.
2026 01 03/Fritz Herzog