FederLesen

Die Vampirin vom Amazonas

Der Name Camille Montfort sagt Ihnen nichts? Keine Sorge wegen dieser Bildungslücke, ich kannte die Dame bis vor kurzer Zeit auch nicht. Was Vampire sind oder Vampirismus ist, das muss ich hingegen sicher nicht erklären, schließlich kennen Sie auch so manchen alten Dracula Film und vielleicht waren Sie sogar schon einmal auf Schloss Bran in Transsylvanien. Gruseln wegen des untoten Grafen inklusive.

Camille Montfort (1868–1896) – auch so ein Beinahe-Club-27-Mitglied – hatte es in ihrem kurzen Leben zu einer weit über ihren Tod hinaus gehenden Berühmtheit gebracht. Wobei Tod? Ich will an dieser Stelle nicht vorgreifen …

Geboren in Frankreich, wurde sie schon in jungen Jahren ob ihrer Schönheit und ob ihrer Gesangskünste als Opernsängerin in Paris bekannt. Zur gleichen Zeit boomte in Belem im Norden Brasiliens der Kautschukhandel, der dort so manchen Mann zum Millionär machte. So auch einen gewissen Francisco Bolonha. Dieser Senhor Bolonha lernte Camille Montfort kennen und nahm sie mit nach Brasilien. Sie badete bei ihm in Champagner, sang in der Oper, tanzte halbnackt in den Straßen von Belem und die Zahl ihrer Affären und Liebhaber war Legion.

Neben ihrer Schönheit und ihres exzessiven Lebensstils zeichnete noch etwas Camille Montfort aus, ihr blasser Teint. Na mehr hat sie nicht gebraucht, um in Belem die Gerüchteküche zum Brodeln zu bringen. Exzesse, Blässe, Verführerin der zahlloser Männer. Alles klar – die Frau muss ein Vampir sein. Sie saugt die Männer aus, ob tatsächlich Blut oder (nur) finanziell, war dann auch schon egal.

Junge Frauen seien wegen der Schönheit ihres Gesangs in Ohnmacht gefallen, eine Gelegenheit, die sie ebenfalls zum Blut saugen benutzt haben soll. In Séancen soll sie mit Verstorbenen mittels Ektoplasma (bitte googeln Sie den Begriff selbst) Kontakt aufgenommen haben. Undsoweiter undsoweiter. Kurz gesagt, die Dame war ein echtes Herzibinkerl und die Gerüchte um und über sie taten den Rest.

Doch alles hat ein Ende. Oder vielleicht doch nicht. Als in Belem eine Cholera Epidemie ausbrach, war eine Schuldige rasch gefunden: Senhora Camille Montfort! Die Sache hatte nur einen Haken, sie wurde Opfer der Epidemie und verstarb mit nur 28 Jahren selbst an der Cholera. Ein pompöses Mausoleum in Belem erinnert an sie.

Doch ist ihr Tod tatsächlich gewiss? War er nur vorgetäuscht? Wollte sie ihrer eigenen Legende entfliehen? Gerüchte über Gerüchte. Noch hundert Jahre nach ihrem Tod soll sie in Europa gesehen worden sein. Wer weiß? Falls Sie also einer etwas blassen jungen Dame begegnen, dann lassen Sie sich, meine geschätzten FederLeserinnen nicht von ihrer betörenden Stimme und Sie, meine ebenso geschätzten FederLeser, nicht von ihrer Schönheit verführen. Passen Sie auf, es könnte die Vampirin vom Amazonas, Camille Montfort sein.

2025 01 28/Fritz Herzog

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