FederLesen

Wir Neandertaler

Sollte sich irgendwer meiner geschätzten FederLeserinnen und -Leser darüber wundern, dass in der heutigen Überschrift die Neandertalerinnen nicht vorkommen, da kann ich nur sagen: abwarten!

Man schrieb das Jahr 1971, als eine britische Rockband namens Hotlegs ein One-Hit-Wonder schaffte. Die Band ist längst von der Bildfläche verschwunden und kein Hahn kräht mehr nach ihr, aber ihr Hit »Neanderthal Man« wird, zumindest der Generation der sogenannten Boomer, noch im Ohr und in der Erinnerung sein. Der Text war ebenso simpel wie dämlich, aber wahrscheinlich gerade deshalb so einprägsam:

     I’m a Neanderthal man
     You’re a Neanderthal girl
     Let’s make Neanderthal love
     In this Neanderthal world

Ich denke, eine Übersetzung ins Deutsche kann ich mir ersparen. Das Ganze wurde, dem Text entsprechend, mit einem primitiven Rhythmus unterlegt und vier oder fünfmal hintereinander wiederholt. So weit – so Ohrwurm!

Wie auch immer, die Neandertaler, die sich als frühe hominide Form in Europa vor etwa 230.000 Jährchen entwickelt hatten, galten lange Zeit als ausgestorben. Warum, ist unklar. Hatten die »Neanderthal man« plötzlich keinen Bock mehr auf »Neanderthal love« mit ihren »Neanderthal girls« oder waren es die aus dem afrikanischen Raum zugewanderten Homo sapiens, die die Neandertaler vertrieben oder – wie es seit Menschengedenken grausamer Brauch ist – schlicht und einfach abgemurkst haben. Wie wir gleich sehen werden, war es eine Mischung aus beidem.

Jedenfalls galten die Neandertaler lange Zeit nicht als unsere Vorfahren. So weit – so Irrtum! Da haben Wissenschaftler lange Zeit hindurch die Rechnung ohne die moderne gentechnische Forschung gemacht.

So hat ein Forscherteam der University of Pennsylvania jüngst festgestellt, dass wir sehr wohl neandertalerische Gene in uns haben. Ich will da jetzt gar nicht zu tief in die Wissenschaft eintauchen, jedenfalls, so viel habe ich verstanden, hat sich das Neandertal-Gen irgendwie im X-Chromosom der Homo sapiens Frauen festgekrallt und wurde so über die zig Generationen seit damals weitergegeben. So weit – so Neandertal in uns.

Aber wie kam es dazu? Auch das hat das Forscherteam herausgefunden. Die Neandertaler und die zugewanderten Homo sapiens haben sich nicht nur einfach vermischt wie sie Lust und Laune hatten und so kreuz und quer für entsprechenden Nachwuchs gesorgt. Nein, die weitaus höher entwickelten Frauen der Homo sapiens hatten anscheinend Gusto auf die minder entwickelten neandertaler Männer – oder, von mir aus umgekehrt, die primitiven neandertalerischen Männer erlagen den Reizen der Homo sapiens Frauen. So weit – so egal, es kommt eh beinahe auf dasselbe heraus.

An diesem Punkt fällt mir auf – nein – darf ich das schreiben? Gut, auf die Gefahr hin, wieder einmal tief in ein Fettnäpfchen zu treten, lassen Sie mich von einer – wenn auch nicht wissenschaftlich belegten – Beobachtung erzählen. Ist es nicht oft so, wie seinerzeit im Neandertal, dass kluge, gescheite Frauen (Homo sapiens) die deppertsten Männer (Neandertaler) haben? Nein, man soll nicht verallgemeinern und vielleicht irre ich mich ja mit meiner Beobachtung. Aber irgendwo muss sich das Neandertal-Gen ja in uns zeigen.

So weit – so Neandertal! In diesem Sinne, meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser » Let’s make Neanderthal love in this Neanderthal world« damit die Gene weiterleben.

2026 02 27/Fritz Herzog

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