FederLesen

Wahrheit oder …?

»Ein Fallschirmspringer springt aus dem Flugzeug und der Fallschirm öffnet sich nicht …«. Wahrscheinlich kennen Sie auch den einen oder anderen Witz, der so oder so ähnlich beginnt – wenige sind zum Schenkelklopfen und andere eher aus der Kategorie »so-la-la» oder gar »Gähn!«.

Ich möchte Ihnen heute eine Geschichte erzählen, die ähnlich beginnt, doch, beurteilen Sie selbst: Am 25. September 1999 sprang die 44-jährige Bankangestellte und erfahrene Fallschirmspringerin Joan Murray aus North Carolina aus einer Höhe von etwa 4.400 Metern ab. Der Fallschirm öffnete sich nicht und der Reserveschirm öffnete sich nur teilweise und erst in einer Höhe von 200 Meter über dem Boden. Mit 128km/h raste sie so der Erde entgegen. Im Prinzip ein klarer Fall – da gibt’s keine Rettung. Frau Murray hatte jedoch Glück im Unglück, sie landete in einem Ameisenhaufen von Feuerameisen.

Sämtliche Knochen waren gebrochen und die arme Frau war, wie zu erwarten, tot, Herzstillstand. Doch, und jetzt beginnt die eigentliche Geschichte und die Feuerameisen kommen ins Spiel. Über zweihundert Bisse sollen ihr die kleinen Viecher aus Protest wegen der Zerstörung ihres Baus zugefügt haben und diese, gering toxischen, jedoch äußerst schmerzhaften Bisse, sollen das Herz und den Kreislauf der Frau Murray wieder in Gang gebracht haben. Die Rettung nahte und nach mehrmonatigem Spitalsaufenthalt und Rehabilitation ist sie im Jahr 2001 wieder mit dem Fallschirm abgesprungen.

Wahrheit oder Fake?

Und jetzt erzähle ich ausnahmsweise die dazugehörige Geschichte meiner Recherche. Ich wollte wieder einmal eine skurrile, absurde FederLesen-Geschichte schreiben, aber es fiel mir nichts ein und es lief mir auch nichts Passendes über den Weg, das verwertbar gewesen wäre. Deshalb fragte ich – übrigens erstmalig – ChatGPD, die solle mir eine skurrile, aber wahre Geschichte vorschlagen. Antwort war die Fallschirmgeschichte.

Ich habe weiter recherchiert und fand zahllose Treffer über diesen Absturz der Frau Murray im Netz. ChatGPD ist zwar sehr gescheit, weiß angeblich alles und wenn ich eine wahre Geschichte will, wird mich dieser Netztrottel doch nicht belügen. Lügen, das kann der doch gar nicht. Der Algorithmus hat doch sicher alles x-fach geprüft. Oder?

Je länger ich suchte – und es gibt zahllose Berichte über den Fall im Netz – desto skeptischer wurde ich. Kein medizinischer Artikel über die Defibrillator-Wirkung der Feuerameisen, nur solche wo erkennbar einer vom anderen abgeschrieben und die Geschichte so verbreitet hat. Auch Frau Murray selbst kommt nur einmal vor; doch das amerikanische »People-Magazine« – eine Mischung aus Soft-Sex und Klatsch- und Tratsch-Magazin – scheint mir auch nicht gerade der Gipfel der Seriosität zu sein. Nur dort habe ich direkte Zitate von ihr gefunden.

Stimmt die Geschichte oder nicht? Lügt ChatGPT, wenn ich eine »wahre« Geschichte anfordere? Was meinen Sie, meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser? Kann aus einer erfundenen Geschichte eine wahre werden, wenn sie nur oft genug im Netz zu finden ist? Was ist wahr und was ist fake?

Achja, etwas hab ich bei meinen Recherchen auch gefunden und das wurde tatsächlich erforscht ist sicher wahr: Lässt man eine Ameise – es muss nicht unbedingt eine Feuerameise sein – aus großer Höhe fallen, so passiert der gar nix und sie überlebt den Absturz problemlos. Das G’schichtl glaub‘ ich sofort, denn ein Wissensrestl aus dem Physikunterricht mit Newtonschem Gesetz und Masse mal Erdbeschleunigung et cetera et cetera sagt mir das.

2025 02 14/Fritz Herzog

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