Wohin soll ich mich wenden?
Nein, es geht heute nicht um das Kirchenlied aus der Deutschen Messe von Franz Schubert, jedoch schon um die Frage was tun »wenn Gram und Schmerz mich drücken«? Haben Sie, meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser je in Ihrem Leben daran gedacht auszuwandern? Also, »wohin soll ich mich wenden, wenn Gram und Schmerz mich drücken?« und des Grams gibt es doch immer wieder genug, gerade in letzter Zeit mit Entwicklungen in der Weltgeschichte, die selbst die größten Optimisten nachdenklich werden lassen. Lässt sich das von STS besungene
»Und irgendwann bleib I dann durt
Lass‘ alles lieg’n und steh’n
Geh‘ von daham für immer fort«
je verwirklichen?
Die Erde zu verlassen und weit weg ins Universum zu ziehen ist auch keine Option, seit ein verhaltenskreativer Amerikaner (Name der Redaktion bekannt) neuerdings den Mars besiedeln will. Soll er ruhig machen, Hauptsache wir werden von ihm verschont.
Da kommt ein Finanzdienstleistungsunternehmen aus Seattle gerade recht, denn die ließen untersuchen, welche Länder sich am besten als Einwanderungsland eignen. Sie legten aus verschiedenen Quellen (Weltbank, OECD, World Happiness Report uvam.) dreizehn Kategorien, die sie unterschiedlich bewerteten, eine Reihenfolge von 82 Ländern fest, wohin es sich am ehesten lohnte auszuwandern.
Wenig überraschend sind die beiden letzten Länder im Ranking: Nigeria und Irak. Also bitte, wer überlegt ernsthaft dorthin auszuwandern? Aber lassen wir das Ende und beginnen wir von vorn und schauen wir, ob die tatsächlich so attraktiv sind.

Nehmen wir den Sieger: Island. Erstens ist es dort viel zu kalt und nass und zweitens, wer will schon ein halbes Jahr im Finsteren hocken? Danach kommen Schweiz, Luxemburg und Norwegen: Ja, von mir aus, aber mit meiner österreichischen ASVG-Pension würden mich die Lebenshaltungskosten an diesen Orten ruinieren.
Auf Platz fünf folgen die Arabischen Emirate. Ernsthaft? Die Kombination aus Hitze, Petrodollar und arabischem Lebensumfeld, also, nein. Danke! Auf Platz sechs folgt Irland. Gut, lass ich gelten, obwohl immer nur Guinness Bier und weit und breit kein Murauer, Hirter, Trumer oder Hubertus. Scheidet folglich auch aus, so schöne Gstanzln können die gar nicht singen.
Auf Platz sieben wird’s lustig: die USA. Die Studie wurde im November 2024 erstellt, zu einem Zeitpunkt, als man schon wusste, wohin der Orange mit dem Schmollmund und dem eigenwilligen Frauenbild das Land zu führen beabsichtigt. Bei meinem persönlichen Ranking würde ich sie irgendwo knapp vor dem Irak einreihen. Aber bitte, von mir aus soll es Platz sieben sein, ich muss ja nicht hin.
Danach folgen Länder wie Dänemark (kalt, feucht, teuer), Niederlande (Gras wächst auch am Schwedenplatz und Tulpen in meinem Garten), Australien (deren Dialekt, der angeblich Englisch sein soll, versteht kein Mensch), Deutschland (da kann ich gleich zu Hause bleiben) und Finnland (siehe Dänemark).
Sie fragen jetzt wo kommt Österreich? Es liegt auf Platz sechzehn der attraktivsten Auswanderungsländer nach Kanada und vor Belgien, womit endgültig klar ist, dass ich nicht auszuwandern brauche und gleich daheimbleiben kann. Ich hatte auch nie vor auszuwandern. Als mir einst – lang, lang ists her – ein Job in Spittal an der Drau angeboten wurde, lehnte ich ab: viel zu weit weg! Der Wechsel des Wohnsitzes von Wien ins Weinviertel nach Falkenstein war schon der Gipfel meiner Abenteurerlust bezüglich Auswandern. Womit ich längst entschieden hatte »Und irgendwann bleib I dann durt«.
2025 03 13/Fritz Herzog