FederLesen

Wozu Pfützen nützen?

In dieser Welt wurde schon Vieles erforscht. Wichtiges, das uns den Alltag erleichtert, wie so Sachen vom Aspirin bis zum Druckkochtopf. Anderes, das zu erforschen vielleicht wichtig war, aber nicht unmittelbar alltagstauglich ist wie beispielsweise die Erforschung des Paarungsverhaltens des Gemeinen-Schildlaus-Breitrüsslers (wahllos herausgegriffen). Und dann gibt es noch die Kategorie »ja, eh interessant, in Wirklichkeit aber Wurscht«.

Über letztere Forschungen, meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser wissen es bereits, wurde an dieser Stelle schon mehrfach berichtet, da ich mich mit Freude der Erforschung unnützen Wissens widme.

Hat es gestern bei Ihnen auch geregnet? Gingen Sie nach dem Regen hinaus? Sind Sie unabsichtlich in eine Pfütze getreten oder gar absichtlich mit kindlicher Freude in eine hineingehüpft, dass es nur so spritzt? Haben Sie sich schon jemals Gedanken über Pfützen gemacht? Welche Form, welche Farbe haben sie, welche Inhaltsstoffe verbergen sich in ihnen, wie sieht der Rand einer Pfütze, wie das Zentrum aus und wie verändert sie sich in den Stunden und Tagen nach dem Regen?

Selbstverständlich kann man jetzt argumentieren, dass all das völlig belanglos ist, solange man mit trockenen Schuhen darüber hinweg kommt. So kann man selbstverständlich argumentieren, muss es aber nicht.

Als die deutsche Künstlerin und Forscherin Mirja Busch in London eine Pfütze sah, in der sich der Himmel spiegelte, kam sie auf die Idee sich der Erforschung der Pfützen zu widmen und gründete das »Institut für Pfützologie«, eine Institution am Grat zwischen Kunstprojekt und wissenschaftlicher Forschung.

Wenn man es streng wissenschaftlich betrachtet, dann liest man so Sätze wie (ich zitiere, denn ich brächte solche Sätze nicht über meine Tastatur):

»Pfützen werden als ökologische Labore betrachtet, die auf Mikroebene zur Biodiversität beitragen, und ihr Zusammenhang mit der Klimakrise verdeutlicht. Diese ungewöhnliche Perspektive eröffnet neue Zugänge zur Erforschung ökologischer Transformationsprozesse und verleiht der Pfütze eine neue Bedeutung als Observatorium der kritischen Zone des Anthropozäns«.

Das sind Sätze, die dem Laien auch bei dreimaligem Lesen nur bedingt verständlich werden.

Oder man sieht es künstlerisch und erstellt ein Archiv von mit in Flaschen gefüllten 196 Pfützen aus allen Ecken und Enden der Welt. Oder man definiert sie nach ihrer Form in Schildpfütze, Wölkchenpfütze, Rundpfütze, Rillenpfütze, Ovalpfütze, Winkelpfütze, Kettenpfütze, Fetzenpfütze oder Geißelpfütze. Ersparen Sie mir bitte an dieser Stelle die Beschreibung jeder einzelnen Pfützenform.

Oder die Anatomie der Pfütze: Wussten Sie, dass so eine Pfütze aus einem Kern, dort wo das Wasser steht, dem Ring, der Abgrenzung zum Trockenen und einer Aura, dem Rand, der zwar noch feucht, aber nicht mehr nass ist, besteht?

Ich hör schon auf Sie mit pfützischen Details zu quälen und begnügen wir uns damit genauso froh zu sein, wenn es regnet, wie wenn die Sonne scheint. Betrachten wir sie als Teil unseres Ökosystems, der durch Umwelt und Klimawandel bedroht ist. Betrachten Sie eine Pfütze, schauen Sie hinein, sehen Sie Ihr Spiegelbild oder den Wolkenhimmel, Kaulquappen wuseln oder Gelsenlarven und hüpfen Sie barfuß an einem heißen Sommertag hinein. So kann eine Pfütze schön sein, interessant sein oder sogar lustig.

So, jetzt hab ich 24-mal das Wort »Pfütze« geschrieben, aber bei uns sagt man eigentlich »Lacke« dazu. Das wollte ich abschließend doch noch gesagt haben.

2025 03 24/Fritz Herzog

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