Elsa Osorio: »Mein Name ist Luz«
FederLesen hat es sich zur Gewohnheit gemacht gelegentlich Buchempfehlungen abseits des literarischen Mainstreams zu geben. Heute möchte ich Ihnen, meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser, eine bei uns kaum bekannte argentinische Autorin vorstellen: Elsa Osorio und ihr Buch »Mein Name ist Luz«.

Argentinien 1976, im Land herrscht eine Militärjunta, die ihre Gegner mit äußerster Härte verfolgt; in den diversen Lagern wird auf das grausamste gefoltert und gemordet. Und, davon handelt das Buch, schwangeren Frauen werden in den Lagern nach der Geburt ihres Kindes diese weggenommen und zur Adoption an regimetreue Familien weitergegeben.
Liliana ist so eine schwangere Frau, die nach einer Demonstration gegen das Regime verhaftet wird und in ein Lager kommt. Und dann ist da Mariana, verheiratet mit Eduardo und Tochter des Armeeoffiziers Alfonso Dufau. Dufau ist einer der schlimmsten und grausamsten Schergen des Regimes. Mariana erwartet ebenfalls ein Baby, doch das Kind, ein Bub, stirbt bei der Geburt. Liliana, die Gefangene, bekommt nahezu zur gleichen Zeit eine Tochter, die titelgebende Luz. Liliana gelingt es nach der Entbindung gemeinsam mit ihrem Kind und ihrer Freundin, der Prostituierten Miriam, zu fliehen. Sie wird jedoch auf der Flucht erschossen, das Kind wird ihr entrissen und Mariana und Eduardo gegeben. Sterbend bittet Liliana Miriam das Kind zu suchen und ihr die Wahrheit zu erzählen.
Der Roman hat zwei Erzählstränge: Da ist einmal die heranwachsende Luz in der Familie ihrer Zieheltern, die sie zunächst für ihre eigenen hält und der ewige Streit mit ihrer Ziehmutter. Als Luz sieben Jahre alt ist, versucht Miriam Luz zu entführen und sagt ihr, dass Mariana nicht ihre Mutter ist. Miriam scheitert jedoch, kommt aber mit Eduardo ins Gespräch. Eduardo, der ihr helfen will, wird jedoch, um die Sache zu vertuschen und geheim zu halten, auf Befehl seines Schwiegervaters Dufau ermordet.
Der zweite Erzählstrang ist die Geschichte der Miriam und ihrer von Höhen und Tiefen geprägten Suche nach Luz.
Erst als Luz bereits einundzwanzig Jahre alt ist, verheiratet mit Ramiro und selbst Mutter eines Sohnes, klärt sich die Geschichte für sie auf. Achja, fast vergessen, der Roman beginnt mit einem Prolog 1998, als Luz in Madrid ihren Vater Carlos Squirru, den Mann ihrer ermordeten Mutter Liliana trifft und sie sich wechselseitig ihre Geschichte erzählen – den eigentlichen Roman.
Das Buch ist auch eine Hommage an die Organisation der »Großmütter der Plaza de Mayo«, die Jahre nach Ende der Militärdiktatur für ihre ermordeten Töchter und für die Suche nach ihren verschollenen Enkel gekämpft haben; sie helfen auch Luz bei der Suche nach ihrer Identität. Das Buch liest sich flott wie ein Thriller, auch wenn es manchmal knapp am Kitsch vorbeischrammt, wie ein Kritiker ganz nicht zu Unrecht bemerkt. Zwar ist der Roman fiktiv, man erfährt jedoch viel über die bei uns weithin unbekannte jüngere Geschichte Argentiniens, die Grausamkeiten, das Leiden der Betroffenen, aber auch über das Wegschauen vor der Wahrheit von den Familien der schlimmsten Schergen.
Abschließend, ja, wie soll ich das Buch beschreiben? Vielleicht ist es keine ganz große Literatur, aber durchaus lesenswert und es machte mir Gusto mehr von der Autorin Elsa Osorio zu lesen, von der es jedoch leider sehr wenig in deutscher Übersetzung gibt.
2025 04 08/Fritz Herzog