Alles smart
Alles ist smart, wo man auch hinsieht, alles ist smart. Der Duden erklärt es mit Begriffen wie modisch elegant, schneidig, clever und der Langenscheidt übersetzt es mit schick, schlau und ebenfalls clever (Ich lasse es an dieser Stelle unkommentiert, dass mit »clever« ein englischer Begriff mit wiederum einem englischen erklärt wird).
Gut früher einmal, da gab es smarte Männer. Ich habe nie verstanden, was einen Mann smart machen soll, aber wahrscheinlich hab ich es nur deshalb nicht kapiert, weil ich selbst eben nie »smart« war. Ich glaube man definierte damals – lang ist’s her – so gelackte Typen wie Frank Sinatra oder Cary Grant als smarte Boys. Heute, also alles zwischen der Generation Boomer und Generation Z, ist bei Männern nix mehr mit smart.
Doch ganz ist der Begriff nie ausgestorben. Dann gab es die Zigaretten: »Smart Export«. Viel mehr Bezug habe ich zu diesen auch nicht, abgesehen davon, dass sie meine erste Nikotinerfahrung waren. Was von diesen »Smart Export« exportiert wurde, weiß ich nicht, ich glaube es gab kein einziges Land außerhalb Österreichs wohin diese exportiert worden wären. Wahrscheinlich sollte es nur a bissl weltmännisch klingen und in den Trafiken Österreichs nicht gar so provinziell daherkommen – »smart« eben.

Dann war es jahrelang ruhig um den Begriff, bis ein Autobauer einen Kleinwagen so benannte. Wahrscheinlich weil Namen wie »Mini«, »Goggomobil« oder Ähnliches schon vergeben waren. Dieser Kleinwagen war aber, so scheint mir, die Initialzündung zur Wiederbelebung des Begriffes »smart«. Plötzlich kam der Begriff wieder in Mode und jedes Ding, das nur irgendetwas auf sich hält, hat »smart« zu sein, wurscht, ob es auch nur im Entferntesten etwas mit den zu Beginn angeführten Übersetzungen und Beschreibungen zu tun hat. Am Beispiel dieses Autos sehen wir es, es ist klein, wendig, aber weder clever noch schlau noch sonst irgendwas von diesen Begriffen.
Danach gab es kein Halten mehr, alles und jedes Neue, das nicht bei drei auf einem Baum war, wurde und wird mit dem Appendix »smart« versehen.
Eine Scheckkarte ist keine Scheckkarte mehr, sie muss »smart card« heißen. Ein Handy ist kein Handy mehr, es muss sich Smartphone nennen. Keine Ahnung, was daran »smart« sein soll, man kann damit halt ein paar Sachen machen und sogar telefonieren ist damit möglich. Allerdings muss man die Marketingfuzzies der diversen Hersteller schon verstehen, hätten sie es ganz banal »Wischhandy« genannt, wäre es mit Sicherheit ein Ladenhüter und kein Verkaufsschlager geworden.
Und was ist ein »Smartmeter?« Ist das die clevere oder elegantere Form des Pariser Urmeters? Nein, es ist schlicht und einfach ein bissl ein modernerer Stromzähler, der im Prinzip auch nichts anderes tut, als Kilowattstunden aufzuaddieren.
Der Banker und Bürohengst trägt bei der Arbeit keinen Anzug. Er trägt »smart casual«, was zwar dasselbe wie ein Anzug ist, aber bitte fragen Sie mich bitte nicht, was daran »smart« oder gar »casual« sein soll. Und am Handgelenk hat er eine »Smartwatch«, die mehr klobig als elegant, dafür aber angeblich »smart« und noch immer auch eine »watch«, eine Uhr, ist.
Eines ist mir jedoch klar, wenn der erwähnte Manager »smart casual« bekleidet, in jeder Tasche ein »Smartphone«, am Handgelenk eine »Smartwatch«, in der Brieftasche mehrere »Smartcards«, mit seinem »Smart« nach Hause in sein »Smarthome« (= kleine Wohnung) fährt und dort den Zählerstand seines »Smartmeters« überprüft, dann ist er alles Mögliche, nur ein »smart guy« ist er deshalb noch lange nicht.
2025 04 17/Fritz Herzog