FederLesen

Gourmetküche und die Schönheit der Menschen

Zwischen Hauben, Sternen, Gabeln und wahrscheinlich noch zig anderen Bewertungsarten für feine, wie für weniger feine Restaurants, hat sich in den vergangenen Jahren einerseits ein Markt und andererseits ein Wetteifer der verschiedenen Gourmetköche entwickelt, dass einem das Hören und das Sehen – oder sollte man besser sagen: das Schmecken – vergehen kann. Paul Bocuse schau oba!

Den Kreationen, die da kunstvoll auf die Teller gezaubert werden, sind keine Grenzen gesetzt. Obwohl: Grenzen? Grenze wäre, so könnte man meinen, der Tellerrand. Aber meist verhält sich die Größe des Tellers und die darin platzierte Speise verkehrt proportional, so dass diese weit entfernt von Rand zu liegen kommt. Ob der Begriff der Molekularküche von der Größe der angebotenen Speisen kommt, könnte vermutet werden, stimmt aber meines Wissens nicht.

Auch der Begriff der Fusionsküche besagt nicht, dass sich zwei oder mehrere Küchen fusioniert hätten. Nein, fusioniert werden die Zutaten. Nein, bitte, meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser, sagen Sie jetzt nicht, sie würden bei jeder Speise nicht nur eine Zutat, sondern mehrere verwenden (fusionieren?), schließlich besteht schon das einfachste Erdäpfelgulasch aus wasweißich wie vielen Zutaten, wenn man sämtliche Gewürze dazuzählt. So simpel gibt’s die Gourmetküche nicht.

Und, wie eingangs erwähnt, jedes Restaurant, jedes Lokal, jeder Koch wird bewertet. Manche, die professionellen Tester und Bewerter, schicken Undercover-Esser aus, die sich durch die Speisekarte futtern, andere wiederum vertrauen dem Publikum, dass seine – vielleicht laienhafte – Bewertung dessen abgibt, was sie auf dem Teller hatten.

Alles wird da bewertet, von den Speisen angefangen über zur Üppigkeit der Weinkarte, der Freundlichkeit des Servicepersonals bis hin zur Reinlichkeit der Häuseln.

Jüngst wurde eine Lücke in der Bewertung von Lokalen geschlossen, auf die die Menschheit mit Sicherheit nicht gewartet hat. Aber wir leben eben im digitalen 21.Jahrhundert und was bewertet werden kann, wird bewertet, so an den Haaren herbeigezogen kann das Kriterium gar nicht sein.

Auf einer LooksMapping genannten Plattform werden Lokale nach der Attraktivität der dort verkehrenden Gäste bewertet. Also: essen dort schiache, normale oder schöne Leute? Quasimodo oder Miss Universe? Xantippe oder Cleopatra? Der Beißer oder James Bond? Dr.Jekyll oder Mr.Hyde?

Wurscht wie das Essen schmeckt, Hauptsache du triffst dort schöne Menschen und musst dir nicht durch unansehnliche Typen (und -innen) den Appetit vermiesen lassen. Wenn das ein Kriterium ist, na bitte. Jedem das Seine, Jeder das Ihre!

Ich kann Sie allerdings beruhigen, bislang wurden erst 9.800 Restaurants in New York, Los Angeles und San Francisco so bewertet. Wenn Sie also in Wien oder irgendwo zwischen Bregenz und Eisenstadt nach einem Lokal mit schönen Gästen suchen, hilft Ihnen die Plattform (noch) nicht. Da müssen Sie schon selbst suchen.

Die Frage wie denn die Bewertung erfolgte ist leicht erklärt: Man nehme die diversen Fotos, die auf der Website des Lokals oder auf anderen Plattformen zu finden sind, jage diese durch eine KI und – schwuppdiwupp – spuckt diese die Bewertung aus. »Hot or not« sagt die zugehörige Skala über die Attraktivität der Gäste.

Ich weiß nicht wie es Ihnen geht, aber mir ist Schmackhaftes am Teller wichtiger als die Person am Nebentisch und sei es auch Claudia Schiffer, George Clooney oder eine sonstige angebliche Schönheit.

2025 07 027/Fritz Herzog

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