Goethe und der Straßenbesen
Es geschehen Dinge zwischen Himmel und Erde, die kein Mensch begreifen kann. So, oder so ähnlich, steht es schon in der Bibel. Dass es jedoch auch Dinge im Haushalt des FederLesen-Autors gibt, die ebenso unerklärlich sind, steht in keiner Bibel und trotzdem ist es geschehen. Ein Rätsel, ein Mysterium allererster Güte. Doch der Reihe nach:
Wie wahrscheinlich in jedem Haushalt verfügt auch der unsere über eine Reihe von Besen. Vom Bartwisch über den Stubenbesen bis zum Straßenbesen – alles da. Doch Halt! Letzterer, der Straßenbesen war eines schönen Tages weg. Weg! Futsch! Verschwunden! Einfach so. Meine Liebste verdächtigte mich, ich hätte ihn verschmissen. Vice versa verdächtigte ich sie, sie hätte ihn irgendwo verräumt.

Beide beteuerten wir unsere Unschuld bezüglich der verschwundenen Haushaltsutensilie und so starteten wir eine Hausdurchsuchung, die der Staatsanwaltschaft und Kohorten von Kriminalisten alle Ehre gemacht hätte; die könnten bei uns noch etwas lernen. Doch der Besen blieb unauffindbar. Georg Danzer hat in seinem Lied vom Tschurifetzen diesen zuletzt wenigstens doch noch im Tiefkühlfach gefunden, aber dort passt kein Straßenbesen hinein. Danzers Tipp war uns also keine Hilfe.
Zum Teufel nochmal, wo ist er, wo kann er sein? Apropos Teufel, vielleicht ist dieser im Spiel, denn das wusste doch schon Johann Wolfgang Goethe in seinem Zauberlehrling. Nicht umsonst schrieb er dort:
»Und nun komm, du alter Besen!
Nimm die schlechten Lumpenhüllen!
Bist schon lange Knecht gewesen;
Nun erfülle meinen Willen!«
Doch weder Goethe noch Zaubersprüche oder Voodoo-Beschwörungsformeln waren hilfreich beim Suchen. Was blieb? Resignation! Deshalb, nochmals Goethe:
»Nein, nicht länger
Kann ich’s lassen;
Will ihn fassen.
Das ist Tücke!
Ach! nun wird mir immer bänger!
Welche Miene! welche Blicke!«
Nachdem Suchen wie Beschwören sich als nutzlos erwiesen hatten, blieb nur der Weg in den Baumarkt. Ein neuer Straßenbesen musste gekauft werden. Das belebt die Wirtschaft und sorgt für den Hausfrieden; so ist allen genutzt und es herrscht wieder edle Wonne, Liebe, Waschtrog.
Das Mysterium bleibt zwar, aber es ist mittlerweile wurscht und so endet die Geschichte wie beim Zauberlehrling:
»In die Ecke,
Besen, Besen!
Seid’s gewesen!
Denn als Geister
Ruft euch nur zu seinem Zwecke
Erst hervor der alte Meister«
Und, wer weiß, vielleicht taucht jetzt, wo der neue Besen da ist, der alte doch noch auf. Dann hätten wir zwei, einen für meine Liebste und einen für mich und ich lasse an dieser Stelle offen wen von uns beiden Goethe zuletzt mit »… der alte Meister« gemeint haben könnte.
2025 08 01/Fritz Herzog