Die Waschmaschine und die Relativitätstheorie
Die Relativitätstheorie, jeder und jede hat schon von ihr gehört und kaum einer hat wirklich verstanden, worum es dabei geht. Albert Einstein hat sie – nein, nicht erfunden – entdeckt hat er sie und mit Formeln belegt, die ein Durchschnittsgehirn wie jenes des FederLesen-Autors, kaum erfassen kann. Wenn es Ihnen, meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser gelingt in diese Tiefen der Physik einzudringen – Chapeau, Hut ab, ich bin ergriffen.
Vielleicht haben wir es ja seinerzeit im Physikunterricht gelernt, worum es dabei geht und was sie aussagt, aber all das ist in den Jahrzehnten seither irgendwo in den Ganglien meines Gehirns versickert. Keinen Tau mehr davon. Aus Schulzeiten gemerkt habe ich mir jedoch einen anderen, allerdings schülermäßigen Beweis der Relativitätstheorie: Blickte man in einer langweiligen Unterrichtsstunde nach fünfzig Minuten auf die Uhr und es waren erst fünf Minuten der Stunde vergangen, so sei das genau ein Beweis dafür, dass Zeit etwas Relatives ist und Einstein zumindest diesbezüglich recht hatte.
Doch abgesehen von diesem Schülerulk, gibt es auch einen anderen Beweis, dass Zeit etwas Relatives ist, die nichts Absolutes an sich hat. Ich versuche diesen komplizierten Beweis anhand unserer Waschmaschine zu erklären. Es handelt sich um eine ganz normale solche, wie sie wahrscheinlich in jedem Haushalt zwischen Badezimmer, Abstellraum oder Keller zu finden ist. Ob sie eine Whirlknecht, Mielenje oder Siembosch besitzen ist in diesem Fall egal. Unser Modell ist sicher nicht mehr das Neueste mit wasweißich für Funktionen, die die Elektronik von sich gibt. Aber das tut ebenfalls nichts zur Sache.

Eine Funktion hat sie, nämlich, dass sie anzeigt, wieviele Minuten das Ding noch benötigt, um den Waschgang zu beenden. An diesem Punkt kann der Nutzer oder die Nutzerin einen entscheidenden Fehler begehen. Zeigt das Display an, dass der Waschgang noch eine Minute dauert und man meint, man könne diese Minute vor der Maschine stehen bleiben und gebannt auf die Anzeige starren, bis die besagte Minute um ist, dann erfährt man wie viele gefühlte Stunden eine Minute dauern kann.
Ja, Einstein hatte wahrscheinlich keine Waschmaschine zu Hause und wenn er eine hatte, dann mit Sicherheit keine mit einem Display mit Zeitanzeige. Er hätte seine Relativitätstheorie vielleicht etwas weniger kompliziert erklärt. Wer weiß?
Doch damit ist die Geschichte mitsamt der Waschmaschine, der Relativitätstheorie, Einstein und dem Zusammenhang von Zeit und Raum noch immer nicht zu Ende. Zeigt dann – wie gesagt, nach einer gefühlten Stunde – das Display mit »End« endlich das Ende des Waschvorgangs an, ist noch immer nicht Schluss. Zwar stehen alle Räder still und das Gerät scheint in den Ruhemodus eingetreten sein, doch der Schein trügt. »End« heißt nicht »Ende«, denn das Türl lässt sich noch immer nicht öffnen. Weitere Geduld ist gefragt, weitere gefühlte Stunden vergehen.
Verbringt man jedoch die letzten Augenblicke eines Waschganges anderenorts, wo und womit ist egal, schafft das die Waschmaschine von selbst. Minuten vergehen wie Sekunden, von Stunden keine Rede. Mathematisch soll den Beweis wer anderer erbringen, aber mein kleiner Feldversuch zeigt, dass die Zeit unterschiedlich schnell vergeht, je nachdem ob man vor der Waschmaschine steht oder ob man sich an einem anderen Ort im Haushalt aufhält.
Wie auch immer: der Beweis für die Relativität der Zeit ist für mich erbracht, auch wenn ich im Physikunterricht nicht aufgepasst hab und es nicht formelmäßig belegen kann.
2025 08 21/Fritz Herzog