FederLesen

13. November 2026

Die alten Mayas auf der Halbinsel Yukatan und der Apotheker Nostradamus waren entweder völlige Stümper, was ihre Vorhersagen bezüglich des anstehenden Weltuntergangs betrifft oder, da sie sich ihrer eigenen Vorhersagen nicht ganz sicher waren, verklausulierten und verschwurbelten sie ihre Prognosen derart, dass künftige Kaffeesudleser daraus je nach Belieben alles oder eben genau nichts herauslesen konnten; jedenfalls das Falsche.

Wie auch immer, die Welt ging weder im Jahr 1999 (Nostradamus) noch 2012 (die Mayas) unter, wie uns irgendwelche Weltuntergangs-Apologeten damals einzureden versuchten. Mit einem Wort, die beiden Termine haben wir verstreichen lassen, ohne dass weltuntergangsmäßig auch nur das Geringste passiert ist. Gut für uns, weil wir es überlebt haben, gut für die Boulevardpresse, die vorher Angst verbreiten und Auflagenzahlen damit steigern konnte und egal für die Fachleute, die den Prognoseunsinn veröffentlicht haben, denn der nächste apokalyptische Hype kommt bestimmt.

Aber, wie gesagt, bei diesen Prognosen handelte es sich um Texte in mystischen Formulierungen, die jedweder Interpretation Tür und Tor offenließen. Da kann man sich schon irren. Aber kann man das Datum des Weltuntergangs auch mathematisch berechnen? Nämlich tatsächlich auf den Tag genau?

An dieser Stelle habe ich an meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser eine Zwischenfrage: Haben Sie heuer für den 13. November schon was vor? Es ist ein Freitag. Beziehungsweise für die Zeit danach? Wenn ja, vergessen Sie es. Weihnachtsgeschenke für 2026 können Sie ebenso vergessen, wie allfällige Planungen für eine ausgiebige Silvesterparty 2026/27. Wieso? Alles ist mathematisch berechnet.

Hier kommt der österreichisch-amerikanische Physiker Heinz von Förster (1911 – 2002) von der University of Illinois ins Spiel. Mit seinen Studenten Patricia Mora und Lawrence Amiot berechnete er im Jahr 1960 aufgrund demografischer Daten zur Entwicklung der Weltbevölkerung, dass diese bis zum Jahr 2026 derart wachsen würde, dass schlicht und einfach auf der Erde kein Platz mehr für so viele Menschen sein würde. Und am 13. November 2026 würden es so viele sein, dass, wie er selbst es ausdrückte »Unsere Ururenkel werden nicht verhungern. Sie werden zu Tode gequetscht werden« eintreten würde. Alles hinterlegt mit Daten und einer mathematischen Formel und an der Mathematik ist ja nicht zu rütteln, so wie eins und eins immer zwei ist.

Bild: Die Berechnung des Prof. Förster

Ich weiß, das ist wirklich kein sehr schönes Szenario, das ich Ihnen da heute zu berichten habe, »zerquetscht« zu werden ist ja in der Tat ein schiaches Ende. So viele Menschen werden bis zu diesem Zeitpunkt die Erde bevölkern – so die Berechnung von Professor Förster – dass wir uns nicht nur gegenseitig auf die sprichwörtlichen Zehen steigen, sondern, dass wir uns ob der Menschenmasse schlicht und einfach gegenseitig erdrücken. Schlimm, ganz besonders wenn Sie unter Klaustrophobie leiden.

Naja, vielleicht ist die Mathematik, zumindest die des Prof. Förster, doch keine so exakte Wissenschaft oder er hat unter falschen Voraussetzungen seine Berechnungen angestellt – wer weiß? – jedenfalls deutet heute nichts darauf hin, dass sich in der verbliebenen kurzen Zeit die Menschheit derart vermehrt, dass wir uns am 13.November gegenseitig zerquetschen werden; so viel Sex mit unserer Liebsten können wir in den nächsten paar Tagen gar nicht haben, so viele Kinder können wir nicht zeugen, dass die Welt bis zu diesem Termin in ein bissl mehr als neun Monaten wegen Platzmangel untergeht.

Vielleicht war der Professor mit seiner Prognose aber auch nur ein kleiner Schelm, denn der 13. November 2026 wäre sein 115. Geburtstag; na dann: schon heute Happy Birthday Prof. Förster, die nächste Weltuntergangsprognose kommt bestimmt.

 2026 01 22/Fritz Herzog

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