Das Smartphone und seine unliebsamen Folgen
Gelegentlich werde ich gefragt wie und woher ich immer meine Geschichten für Feder_Lesen habe. Auf die Gefahr hin mich zu wiederholen: Immer, wenn ich etwas sehe oder lese, wobei ich mir denke »das passt!«, »das ist eine Geschichte für mich!«, da bleib ich dran. So lese ich zum Beispiel vor einigen Tagen in der rosa Qualitätszeitung folgende Überschrift: »Smartphone auf der Toilette erhöht das Risiko für Hämorrhoiden«. Na, mehr braucht’s net für mich und schon arbeiten meine Ganglien, was aus so einem Bericht zu machen sei und hämmere einen Text in mein Notebook.
Ich weiß, Hämorrhoiden sind ein bissl ein heikles Thema, viele leiden darunter und kaum jemand spricht darüber, weil es auch mit Scham behaftet ist. Landläufig denkt man Hämorrhoiden kämen von Verstopfung, ballaststoffarmer Ernährung, starken Anstrengungen und dergleichen. Nein, behauptet nun ein Forscherteam des Beth Israel Deaconess Medical Centers in Boston, das ist nicht der Grund.
Vielmehr kommt es daher, dass man (oder frau) zu lange am Häusl sitzt. Und weshalb sitzen sie zu lange? Erraten! Weil sie bei der mehr oder minder gemütlichen Sitzung Zeit und Muße finden in das Smartphone zu glotzen. Unter der Leitung der Forscherin Trisha Pasricha wurden 125 Personen im Rahmen ihrer routinemäßigen Koloskopie auch zu ihrem Kloverhalten befragt. Zwei Drittel der Probanden gab an, dass sie regelmäßig am Klo ins Handy schauen, und weiters ergab sich, dass damit das Risiko an Hämorrhoiden zu leiden um 46% höher ist als bei den smartphonefreien Scheißern.

Leider blieb die Frage unbeantwortet, bei Nutzung welcher App das Risiko am höchsten ist. Ich vermute, dass es bei Solitär oder Candy Crush geringer sein wird. Bei der Nutzung der sozialen Medien kommt es vielleicht darauf an, ob man entspannt Katzenfotos schaut oder sich in irgendwelchen Verschwörungstheorien- oder Hassplattformen bewegt. Ganz schlimm, so vermute ich, wird es bei der Lektüre der aktuellen Nachrichten aus der Welt- oder Lokalpolitik. Vielleicht ist es aber auch genau das Gegenteil, weil die Politiknachrichten meistens ohnehin zum Sch… – nein, das sagt und schreibt man nicht! – sagen wir besser: »verdauungsfördernd« sind. Und wie verhält es sich bei Betrachtung einschlägiger Videos mit den nicht jugendfreien zwischenmenschlichen Verrenkungsübungen? Fördern diese Hämorrhoiden oder dienen sie eher der Entspannung? Wie gesagt, das sind alles Vermutungen, die dringend einer Verifizierung durch das genannte Bostoner Forscherteam harren. Ein Auftrag sollte ergehen.
Vielleicht werden jetzt Sie, meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser einwenden, ja, früher, da gab es keine Smartphones und trotzdem hatten die Menschen Hämorrhoiden. Der Einwand ist berechtigt, aber, halte ich dagegen, dafür gab es die Kronenzeitung, die einem ähnlichen Zweck mit wahrscheinlich denselben Folgen diente. Dazu eine Anmerkung am Rande: das Kleinformat erwies sich aus Platzgründen als äußerst nützlich, Die Presse oder gar die Frankfurter Allgemeine wären in der meistens engen Lokalität viel zu unhandlich gewesen.
Ich selbst erinnere mich, als ich als Kind bei meinem Onkel in Neudorf zu Besuch war, dass dort im Plumpsklo, fein säuberlich geviertelt die Kronenzeitungen der letzten Tage an einem Nagel befestigt waren und so, sowohl einem zunächst literarischen und in weiterer Folge auch einem hygienischen Zweck dienen konnten (die Vollbusige von Seite fünf gab es damals noch nicht, sie hätte vor dem ultimativen Zweck noch einen weiteren erfüllen können).
Also, weg mit dem Handy am Klo, nicht nur aus gesundheitlichen Gründen, es ist auch ein Dienst am Nächsten, der vielleicht schon mit einem dringenden Bedürfnis vor der Türe von einem Bein aufs andere steigt.
2025 09 13/Fritz Herzog