FederLesen

Leo und die Klosterschwestern

Nachdem Elch Emil ratzfatz aus Österreich abgeschoben wurde, musste, um das Überleben unserer lieben Boulevardpresse zu sichern, ein neuer Hype her. Dass nach dem Emil jetzt ein Elch namens Lukáš auf Österreich zukommt, kann bestenfalls ein müder Abklatsch ohne Neuigkeitswert werden. Also: es hat sich ausgeelcht. Eine neue Schlagzeile muss her und die wird dann wieder so lange ausgereizt, bis die nächste Sensation am Medienhimmel zwecks Auflagensicherung daherkommt.

Und sie kam daher! Dem Himmel sei Dank. Und – der Himmel nahm das sogar wortwörtlich – und schickte drei Nonnen. Diese drei, allesamt dem Alter der Novizinnen längst entwachsen, wurden von ihrem Ordensboss, bei dem es sich, wie es die kirchliche Tradition erfordert, klarerweise um einen Mann handelt, ratzfatz wie der Elch nach Tschechien von ihrem angestammten Kloster in ein Altersheim abgeschoben. Dort plagte die Drei die Langeweile, sie sind aus dem Heim ausgebüxt, kehrten in ihr angestammtes Kloster zurück, usurpierten es kurzerhand und machen einen auf fröhliche Hausbesetzerinnen.

Sowas freut die Journaille und seither sind die drei lustigen Nonnen der Liebling aller Medien zwischen Kronenzeitung und der New York Times; Instagram Account inklusive, man geht ja schließlich auch hinter Klostermauern mit der Zeit.

Das brachte ihren Boss – wir erinnern uns: ein Mann – zwar nicht auf die Kanzel, dafür aber auf die Palme, die Zornesröte (oder sollte ich sagen der Zornespurpur?) stieg ihm ins Gesicht und er holte sein ultimatives Argument aus seinem frommen Köcher: Gehorsam! Oder besser: Gehorsamsverweigerung!, deklarierte er. Die Macht dieses Arguments ließ sämtliche Kirchen zwischen Salzburg und Rom ob seiner argumentativen Wucht vor Schauer erbeben. Sämtliche Kirchen? Nein. Ein von unbeugsamen Nonnen bevölkertes Klösterlein hört nicht auf Widerstand zu leisten (© René Goscinny).

Nix da, die drei lustigen Nonnen meinten über 60 Jahre Armut, Keuschheit und Gehorsam seien genug.  An den ersten beiden Punkten ihres Gelübdes ließe sich aufgrund des fortgeschrittenen Alters nichts mehr ändern, so pfiffen sie wenigstens auf den dritten Teil ihres vor Dezennien geleisteten Ordensversprechens.

Spätestens an dieser Stelle wäre es höchst an der Zeit gewesen, den Ober-Oberboss in Rom aufzurufen, dass er die drei Widerspenstigen zähmt. Dieser Herr, Robert Prevost mit bürgerlichem Namen, der sich seit ein paar Monaten nur mehr Leo nennt (die zugehörige Nummer hab ich vergessen), hat erst vor wenigen Tagen den netten alten Brauch des Exorzismus über den grünen Klee gelobt. Na bitte, da könnte sich ein rechtschaffener Exorzist einmal bewähren und mit den Dreien ordentlich Schlitten fahren, dass der Satan des Ungehorsams aus ihnen aus- und zur Hölle fährt, wo er seiner Meinung nach hingehört.

Was sollte er sonst tun? Bedauerlicherweise wurden so nette Instrumente, die der Heiligen Inquisition früher einmal zur Verfügung standen, wie beispielsweise die Streckbank, abgeschafft. Ja, nicht einmal so klitzekleine Daumenschrauben darf sie mehr verwenden. Ein Jammer! An so Volksbelustigungen wie Hexenverbrennungen als ultima ratio gar nicht mehr zu denken. All das hätte die drei Nonnen wohl zur Aufgabe ihres ungebührlichen Verhaltens gebracht, aber so lachten sie sich ins Fäustchen und lassen den Herrgott samt Papst&Propst einen guten Mann sein und versehen weiter ihren frommen Dienst im Kloster Goldenstein.

Ende gut, alles gut? Unsere lieben Medien werden berichten.

Postskriptum: Wenn Sie, meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser, sich fragen, warum ich heute dieses Foto zu diesem Text ausgewählt habe: »Sag‘ niemals Pinguin zu einer Klosterschwester«.

2025 09 29/Fritz Herzog

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