FederLesen

Nicht mein Kaffee

»Der Mensch ist, was er isst«, heißt es so schön in einer Kalenderspruchmetapher. Dasselbe gilt selbstverständlich auch für Getränke, die wir so tagtäglich zu uns nehmen. Gleich ob wir Erdäpfelgulasch oder Beluga-Kaviar essen, ein Glaserl Gspritztn oder handgestreichelten Schampus trinken. Hausmannskost oder im Gourmet-Lokal. Am End‘ ist’s immer das Gleiche.

Warum ich Letzteres so betone wird sich gleich erhellen, ich komme noch dazu. Aber zunächst eine Frage an meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser: Trinken Sie auch so gerne Kaffee? Also ich für meinen Teil mag ihn, und ohne meine drei Tassen täglich fühl ich mich nur halb. Auch jetzt, da ich meine neueste FederLesen-Geschichte in die Tasten klopfe, steht ein duftender Espresso zwecks Inspiration neben mir.

Aber Gottseidank keiner aus Kaffeebohnen, von denen ich kürzlich gelesen habe. Der teuerste Kaffee überhaupt. Kaffee gibt es ja in sämtlichen Preiskategorien, angefangen von billiger Massenware bis hin zu exquisiten, in Luxusröstereien hergestellten, und von den nobelsten Baristas empfohlenen Mischungen. Also, Mischungen darf man die nicht mehr nennen, da muss man schon »Blend« sagen (vielleicht heißt der deshalb so, weil man von dessen Noblesse »geblendet« werden soll).

Aber das ist noch alles Nichts. Bei dem Kaffee namens »Kopi Luwak« beginnt der Kilopreis bei 300 Euro und endet irgendwo bei 1.200 Euronen oder drüber. Und was ist das Besondere an diesem Kaffee?

In Indonesien lebt eine Schleichkatze namens Fleckenmusang, eine Katzenart. Und dieser Fleckenmusang frisst sehr gerne Kaffeekirschen. Er verdaut das Fruchtfleisch der Kaffeekirsche und – siehe oben: »am End‘ ist’s immer das Gleiche« – scheißt am Ende den unverdauten Kern, die Kaffeebohne, wieder aus.

Vife Indonesier, sammelten den Katzenkot, brauten sich aus den so ausgeschiedenen Bohnen einen Kaffee und merkten, dass dieser ein besonders gutes Aroma hat. Angeblich hat er eine schokoladige Note. Unter Ausschaltung des Kopfkinos und ohne das jetzt näher erklären zu wollen, aber irgendwie sorgt der Verdauungstrakt des Fleckenmusangs für eine besondere Fermentation der Kaffeebohne. Da die uralte Kunst der Fermentation ohnehin zu einer Modeerscheinung geworden ist und neuerdings jedes Lebensmittel, das nicht bei Drei auf einem Baum ist, fermentiert wird, kam diese Bohne so auch aus Indonesien zu uns. Wer sich’s leisten kann und will, soll von mir aus den Katzenscheißekaffee trinken. Ich brauch’s net.

Ob das Ganze mit Ihrer Katze zu Hause auch funktionieren würde, weiß ich nicht, vermutlich nicht. Versuchen Sie es erst gar nicht und bleiben Sie bei dem bewährten Dosenfutter; ihr Zimmertiger wird es Ihnen danken.

Auch aus einem anderen Grund brauch ich diesen Kaffee nicht und das ist wieder einmal die Kehrseite dieses Luxusprodukts. Ursprünglich gingen die Kaffeebauern hinaus und sammelten den Kot. Mittlerweile werden die armen Fleckenmusangs aber in Tierfarmen gehalten und einseitig nur mit diesen Kaffeekirschen gefüttert. Mit allen negativen Konsequenzen, die ich gar nicht aufzählen will. Nur um die Nachfrage zu stillen.

»D’Welt steht auf kein’ Fall mehr lang« couplierte Nestroy schon vor bald 200 Jahren und seither hat sich nur wenig verbessert, aber Kaffee aus dem Katzenklo hätte auch er sich nicht träumen lassen.

2025 10 25/Fritz Herzog

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