FederLesen

John Kennedy Toole: Die Verschwörung der Idioten

Aufgrund des Titels des Buches, das ich Ihnen, meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser heute vorstellen möchte, könnte man meinen, es sei eine Abhandlung über das aktuelle Weltgeschehen. Doch weit gefehlt, J.K. Toole verfasste den Roman im Jahr 1963 und versuchte bis zu seinem Suizid Tod mit nur 32 Jahren im Jahr 1969 vergeblich einen Verlag zu finden. Erst auf Drängen seiner Mutter wurde es 1981 publiziert, erhielt sofort den begehrten Pulitzer-Preis und wurde seither in 18 Sprachen übersetzt. So blieb es das einzige Werk dieses begabten amerikanischen Autors.

Das Buch ist ein klassischer Schelmenroman und schließt nahtlos an die großen Vorbilder dieses literarischen Genres wie z.B. »Der abenteuerliche Simplicissimus«, »Don Quijote« oder »Till Eulenspiegel« an. Ja, ich weiß schon, Schelmenromane sind nicht jedermanns Sache und man kann darüber treffend die ernste literarische Nase rümpfen, aber ich habe schon lange nicht mehr so über ein Buch gelacht und da die Vorliebe des FederLesen-Autors für das Skurrile sicher bekannt ist, werden Sie sich vermutlich nicht weiter wundern.

Tragischer Held des Romans ist Ignatius Reilly. Er ist 30 Jahre alt, hat studiert und lebt bei seiner alkoholsüchtigen Mutter in New Orleans. Er arbeitet nicht, sperrt sich in sein Zimmer ein und verfasst verschiedene Texte und Abhandlungen, die immer irgendetwas mit Weltverbesserung zu tun haben. Außer mit seiner Mutter hat er nur brieflichen Kontakt zu seiner ehemaligen Studienkollegin, der in New York lebenden Myrna Minkoff, die jegliches menschliche Problem meint mit Sex lösen zu können. Ignatius selbst hingegen lehnt jegliche Form von Sexualität strikt ab; die Korrespondenz der Beiden strotzt demnach nur so von gegenseitigen Vorschlägen und Vorwürfen.

Als seine Mutter einen Autounfall verursacht und mit hohen Schadenersatzzahlungen konfrontiert wird, muss Ignatius eine Arbeit annehmen. Die findet er im Büro bei der Firma Hosen-Levi. In seinem Chaos stellt er den Betrieb auf den Kopf, vernichtet Akten und wiegelt letztendlich die Arbeiter zur Stürmung des Büros auf. Er wird gekündigt und verdingt sich als fahrender Hotdog Verkäufer. Er isst mehr als er verkauft.

Ohne auf die Details der turbulenten Handlung weiter einzugehen, es spielen noch der Nachtclub »Night of Joy« mit seiner Pornografie vertreibenden Besitzerin, eine Tänzerin, die für eine Striptease Nummer mit einem Kakadu probt, die Freunde der Mutter und ein erfolgloser Polizist, der von seinem Vorgesetzten, weil er keine Verhaftungen vorweisen kann, zur Bewachung der Toilettenanlagen des Busbahnhofes verdonnert wird, eine Rolle. Und natürlich tauchen auch immer wieder Herr und Frau Levi von Levi-Hosen auf. Letztendlich streitet jeder mit jedem und das Chaos wird immer größer.

Ignatius frisst seine Frustration in sich hinein, wird immer dicker und seine Verdauung revoltiert auch regelmäßig, was er stets mit seinem angeschlagenen »Magenventil« begründet. Die Handlung spitzt sich immer mehr zu, bis es zum um großen Showdown im und vor dem »Night of Joy« kommt. Viel mehr sei nicht verraten.

Es wäre jedoch kein Schelmenroman, wenn die Geschichte des traurigen Protagonisten nicht doch gut enden würde. Bis dahin gibt es jede Menge absurde und lustige Situationen. Doch das Buch mit seiner verrückten Geschichte führt auch in das French Quarter von New Orleans der 60er Jahre und zeigt die beginnende Bürgerrechtsbewegung und die Rassenkonflikte der Südstaaten in dieser Zeit auf.

Für jeden, der beim Lesen nicht nur Unterhaltung sucht, sondern gelegentlich auch herzhaft lachen will, für den ist meine heutige FederLesen Buchempfehlung in diesen grauen Novembertagen genau das Richtige.

2025 11 09/Fritz Herzog

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