FederLesen

Der Ball ist rund

Als fußballerischer Analphabet kennt sich der FederLesen-Autor auf dem Gebiet des runden Leders, wie es in der Sportreportersprache so blumig schön heißt, überhaupt nicht aus und so gelte ich weithin als diesbezügliches Nackapatzl. Die übrigen neun Millionen österreichischer Nationalmannschaftstrainer und Ballestererexperten mögen mir deshalb den heutigen Text verzeihen; ich verneige mich in Demut vor Ihrem Wissen.

Habe ich die überbordende Euphorie in diversen Meldungen, Mitteilungen und Postings der letzten Tage richtig verstanden, sind wir, also »WIR« Österreicher praktisch so gut wie »Wödmasta« und die Reise unserer Kicker über den Atlantik im kommenden Sommer ist nur noch eine Formsache. Oder anders gesagt, die Mannschaften vom Rest der Welt könnten sich die Anreise ersparen.

Soviel ich mitbekommen habe, findet diese Weltmeisterschaft in den USA mit dem Beifang Kanada und Mexiko statt, also zwei Staaten, mit denen der verhaltenskreative orange Häuptling der USA auf Kriegsfuß steht. Ich sehe schon bildlich vor mir, wie besagter Herr dem österreichischen Mannschaftskapitän zuerst den Pokal überreicht, um ihn im nächsten Augenblick wegen seines Migrationshintergrundes oder seiner Hautfarbe abzuschieben. Egal, ein Empfang karlschranzscher Größe in Schwechat ist ihm gewiss.

Aber, wie gesagt, ich habe vom Fußball so viel Ahnung wie ein Ochs vom Klavierspielen, war ich doch schon zu Schulzeiten, wenn es darum ging eine Mannschaft aufzustellen, immer der zuletzt Aufgerufene. Vorletzter war der Blade (ja, das sagte man so, das schöne Wort Adipositas war damals noch nicht erfunden), der, wegen seiner eingeschränkten Beweglichkeit bei doch vorhandener Breite als Tormann gewählt wurde. Danach kam ich erst.

Den Ball sah ich nie, aber das war in diesen Spielen von mir auch gar nicht notwendig und erwünscht. Meine Aufgabe galt nicht den Ball, sondern die gegnerischen Schienbeine zu treffen. Wenigstens das beherrschte ich einigermaßen und so war ich trotz völliger fußballerischer Talentlosigkeit ein gefürchteter Gegner.

Fragen Sie mich auch bitte nicht wie unsere Superkicker heute heißen, ich habe keine Ahnung. Bei mir endet das Wissen darüber bei Namen wie Fraidl, Flögel oder Köglberger. (Hat da wer »Sindelar« gesagt? Na, so alt bin ich auch wieder nicht!).

Abschließend, und weil die kommende Weltmeisterschaft in den USA stattfindet, erlaube ich mir eine Anleihe beim großartigen Monty Python Komödianten John Cleese zu nehmen, der so wunderbar den Unterschied zwischen amerikanischen football und dem was die Soccer nennen erklärt. Er versteht nämlich nicht, wieso die Amis das eine »Football« nennen, weil er nicht mit dem Fuß gespielt, sondern mit der Hand getragen wird. Nur ein einziger Spieler, der dafür jedoch extra auf das Spielfeld geholt wird, darf mit dem Fuß kicken – der Rest, ausschließlich mit der Hand. Und außerdem handelt es sich auch nicht um einen Ball, definitionsgemäß eine Kugel, sondern um ein eiförmiges Laberl. Verstehe die Amis, wer wolle.

Sollten wider Erwarten »wir«, also »wir« neun Millionen Österreicher und -innen und nicht die elf Kicker am Fußballfeld, nicht Wödmasta werden und eine mehrtägige Staatstrauer wird ausgerufen, dann bleiben »unserem« Nationalstolz immer noch »unsere« Schifahrer, die mit Brettln die kunstschneebeschneiten Hänge »unserer« schönen Berge hinunterbrettln. Dort ist die Welt für die meisten noch schi-heil und »wir« kommen auch noch ohne migrationshintergründige Sportler, die »wir« bejubeln können, aus.

2025 11 20/Fritz Herzog

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