FederLesen

Das tertiäre Geschlechtsmerkmal

Über die primären und sekundären Geschlechtsmerkmale bei der Spezies des Homo Sapiens brauche ich hier kein Wort verlieren, da ich davon ausgehe, dass der Großteil meiner geschätzten FederLeserinnen und -Leser seinerzeit von Bravo und Dr. Sommer sexuell domestiziert wurden und sich diesbezüglich entsprechend auskennt. Vielleicht waren es seinerzeit auch die Filme des Oswald Kolle oder – heimlich, die Eltern durften es nicht wissen und der Kinobetreiber hat altersmäßig immer ein Auge zugedrückt – jene als »Report« getarnten Machwerke, die uns in die Welt der Erotik (naja?) und jene des jeweils anderen Geschlechts eingeführt hatten.

Nein, darum geht es heute nicht. Aber woran kennt man Manderl und Weiberl auseinand‘ wenn andere sichtbare Zeichen verborgen bleiben?

Ich will sie da nicht länger auf die Folter spannen, denn es ist ganz einfach: Es ist die Art und Weise wie sich jemand einen Pullover, einen Pulli oder ein T-Shirt auszieht. Ein Mann wird den Pulli immer irgendwo am Kragen oder an der Schulter packen und ihn schlicht und einfach so über den Kopf ziehen.

Niemals würde eine Frau sich so eines Pullis entledigen. Sie kreuzen die Hände vor der Brust in der Form eines »X«, greifen zum unteren Saum und ziehen so den Pulli über den Kopf. Der Effekt dabei ist, dass er am Ende verkehrt ist, doch das spielt anscheinend keine Rolle. Vielleicht kommt daher auch die Waschanleitung manche Kleidungsstücke »auf Links« zu waschen (warum »links« »verkehrt« heißt, erschließt sich mir nicht, aber sei’s drum!).

Meinen FederLesern rate ich dringend ab, es einmal wie die Damenwelt zu versuchen. Die Gefahr sich bei dieser komplizierten Übung dermaßen zu verrenken, dass im schlimmsten Fall aus den beiden Armen ein nur mehr operativ auflösbarer Knoten entsteht, ist doch zu groß. Vielleicht schafft es jemand nach jahrzehntelangem Yoga, wenn jedoch nicht, bleibt womöglich nur die Lösung wie seinerzeit beim gordischen Knoten; und wer will das schon?

Wenn Sie mich jetzt nach dem Wieso fragen, wird es schwierig. Die Evolution hilft da nicht viel weiter, denn dass unsere Urahnen in ihren Höhlen sich auf so unterschiedliche Art und Weise ihrer wärmenden Bärenfelle entledigt hätten ist unwahrscheinlich. Dass sich die Anthropologie bislang – zumindest meines Wissens nach – noch nicht mit dieser essentiellen Frage beschäftigt hat, halte ich für ein schweres Versäumnis dieser Wissenschaft.

So Antworten wie jene, dass die Frisur der Frauen bei ihrer Art sich einen Pulli auszuziehen weniger in Mitleidenschaft gezogen wird, halte ich in Bezug auf die Frisur für an den Haaren herbeigezogen. Ebenso, dass die männliche Form rücksichtsloser mit ihrem Kleidungsstück umgeht, weil angeblich die Gefahr des Zerreißens beim Zupacken an den Schultern eine größere ist. Auch die Theorie, dass es die Vorbildwirkung der Eltern im Kindesalter ist, erscheint mir nicht plausibel, denn immer noch sind es überwiegend die Mütter, die ihren Kindern das An- und Ausziehen lehren.

Ja, was dann? Nun, ich will hier wieder einmal eine völlig unbewiesene Theorie in den FederLesen-Raum stellen. Wie eingangs erwähnt formen die Frauen dabei ihre Arme zu einem großen »X«. Dämmert es Ihnen? Wer besteht denn aus X-Chromosomen? Also zumindest haben Frauen dieses Chromosom im Gegensatz zu den Männern im Doppelpack. Ob diese Überdosis »X« die Damenwelt veranlasst hat, sich auf diese »X – Art und Weise« sich ihrer Pullis zu entledigen, das wäre einmal eine anthropologisch-genetische Studie wert; findet zumindest Ihr FederLesen-Autor.

2023 01 20/Fritz Herzog

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