Der Songcontest & escape ESC
Die Escape-Taste am Computer oder Notebook ist zweifellos eine der wichtigsten. Immer dann, wenn nix mehr geht und man irgendwie aus einem Programschlamassel herauswill, drückt man diese; zornig auch gerne mehrfach hämmernd. Funktioniert selbst das nicht, bleibt als letzter Retter in der Not nur der berühmte Affengriff ctrl-alt-entf um Alles zum Stillstand zu bringen.
Escape, zu Deutsch entkommen oder entfliehen, wofür die esc-Taste steht, drückt ja schon alles aus: Nix wie raus da und hinter mir die digitale Sintflut.
Esc hat allerdings seit ein paar Jahren noch eine andere Bedeutung, es steht für den Eurovision Song Contest, jenem Wettsingen, mit dem vergangenes Wochenende die europäischen Fernseherinnen und -seher beglückt wurden. Ihr FederLesen-Autor ist dem ESC, wie schon in den vergangenen Jahren, entkommen, entflohen, ist also escaped ohne die esc-Taste zu drücken. Bestenfalls habe ich eine imaginäre esc-Taste gedrückt.
Um aber meine geschätzten FederLeserinnen und -Leser, die vielleicht ebenfalls diese Singerei versäumt haben über dieses weltenbewegende Ereignis zu informieren, habe ich mir im Nachhinein ein paar Beiträge angesehen. Nun, ich bin ein musikalisches Nackerpatzl, habe aber jetzt eine Vermutung warum der ESC früher einmal »Grand Prix Eurovision de la Chanson« hieß, hatte er damals anscheinend noch etwas mit Chansons, mit Liedern, zu tun. Dabei will ich gar nicht der guten alten Zeit nachraunzen als Udo Jürgens noch »Merci Chérie« schnulzte und damit Anno 1966 gewinnen konnte.
Um mir heuer einen Überblick zu verschaffen sah ich mir jeweils das Video des ersten Platzes (Schweden) und des letzten (Deutschland) an. Hhm, wie soll ich sagen und, eh-schon-wissen, musikalisches Nackerpatzl und so, vermochte ich nicht herausfinden weshalb es einmal erster und einmal letzter Platz wurde. Die Unterschiede, nochmals: eh-schon-wissen, waren so minimal, es hätte auch umgekehrt sein können.
Gut, da war einmal eine Dame, die mit ellenlangen Fingernägeln in einem von Lara Croft geborgtem Outfit spidermanähnlich am Boden herumgekrochen ist, aussah wie Cruella De Vil nach einer Krampusparty und zwischen Bass und Schlagzeug sogar etwas gesungen hat. Und da war ein Mann, der anscheinend auf derselben Krampusparty wie die Schwedin war, nur war sein feuerrotes Kostüm schon etwas devastiert. Der billige Nachbau von Montezumas Federkrone war ihm anscheinend vom Kopf zu den Schulterblättern hinuntergerutscht, was ihm das Aussehen des gefallenen Engels Luzifer verlieh und zu allem Überdruss dürfte er auch noch ein Hosenbein bei diesem wilden Mulatschag verloren haben. Ansonsten ebenfalls Bass und Schlagzeug und ein bissl Gesang, oder so etwas Ähnliches.
Nein, ich hör‘ eh schon auf, drücke die geistige esc-Taste und verschone Sie mit weiteren Details. Eines weiß ich jedoch schon, wenn es 2024 wieder einen ESC geben wird, werde ich ebenfalls »escape the ESC« sagen und mir ein anderes Programm suchen. Und sollten Sie zu den ESC-Fans gehören, immer bis Mitternacht durchhalten und nicht verstehen, warum der alte FederLeser da so herummosert, so gilt Ihnen genau deshalb meine ganze Bewunderung für ihr auditives Durchhaltevermögen.
2023 05 15/Fritz Herzog