FederLesen

Himmel und Hölle

»Lieber Gott, mach mich fromm, dass ich in den Himmel komm« lautet ein altes Kindergebet. Dass dabei Fragen wie, wann ist man fromm und was, oder wo ist der Himmel, offenbleiben, interessierte die kindliche Seele nicht. Aber wo ist der Himmel wirklich? Gibt es ihn? Oder ist er nur ein schönes Konstrukt? Selbst wer nicht daran glaubt, hat wahrscheinlich im hintersten Kammerl seines Seins einen geheim gehaltenen Funken Hoffnung, dass es ihn vielleicht doch gibt und dass man eines schönen Tages doch in diesen Raum unendlichen Wohlbefindens eintreten kann.

Und wie ist das mit der Hölle? Mittelalterliche Darstellungen der Hölle und der Höllenqualen sind in ihrem Grauen kaum zu überbieten. Ja, man hat schon damals gewusst, wie man die Menschen schreckt, das Fürchten lehrt und sie gefügig hält. Und immer ist die Hölle mit dem Höllenfeuer verbunden und Feuer ist heiß. So lehrt man schon das Kleinkind dort nicht hinzugreifen und schon gar nicht damit zu spielen.

Aber wie heiß ich das Höllenfeuer? Wie heiß ist es in der Hölle und welche Temperatur herrscht im Himmel? Um das zu ermitteln, taten sich gewiefte Physiker mit ebensolchen Theologen zusammen und versuchten mittels Daten aus den diversen Schriften der Bibel und physikalischen Gesetzen zu einem Ergebnis zu gelangen. Solche hochwissenschaftliche Erkenntnisse kann ich meinen geschätzten FederLeserinnen und -Lesern nicht vorenthalten.

Mit der Hölle war die Berechnung der dort herrschenden Temperatur relativ einfach. In der Offenbarung des Johannes, Kapitel 21, Vers 8 steht geschrieben: »Aber die Feiglinge und Treulosen, die Befleckten, die Mörder und Unzüchtigen, die Zauberer, Götzendiener und alle Lügner – ihr Los wird der See von brennendem Schwefel sein«. Es geht also um einen See flüssigen Schwefels. Schwefel – und jetzt kommt der Physiker hinzu – wird ab einer Temperatur von zirka 400°C dünnflüssig und verdampft bei 444,6°C.  Die Höllentemperatur muss folglich, so die Logik, zwischen diesen Werten liegen, denn nur darin kann der Schwefel zu einem See werden.

Ein wenig schwieriger wird die physikalisch-theologische Temperaturermittlung für den Himmel. Dazu zogen die Wissenschaftler das Buch Jesaja, Kapitel 30, Vers 26 heran, wo es heißt: »Zu der Zeit, wenn der Herr die Leiden seines Volkes heilt und seine Wunden verbindet, wird das Licht des Mondes so hell sein wie das Licht der Sonne und das Licht der Sonne wird siebenmal so stark sein wie das Licht von sieben Tagen« Ich will es an dieser Stelle verkürzen und nicht allzu kompliziert halten, jedenfalls nahmen sie 7×7=49, aufgerundet, weil ein bissl Mond dazukommt, die 50fache Strahlung der Erde an. Geht man von einer durchschnittlichen Erdstrahlung von 300Kelvin aus, so errechneten sie unter Zuhilfenahme des Stefan-Boltzmannschen Gesetzes für die Strahlung, dass die Temperatur des Himmels 525°C betragen muss. Die exakten Hintergründe der Berechnung sind mir ehrlich gesagt wissenschaftlich zu hoch, aber ich glaub’s der Wissenschaft.

Damit war der physikalische Beweis erbracht, dass es entgegen der landläufigen Meinung im Himmel heißer als in der Hölle ist. Ungemütlich heiß wäre es dort wie da. Bei Temperaturen weit über jenen einer Sauna käme man, egal wo, mehr als ins Schwitzen. Ob diese Erkenntnis sämtliche theologischen Forschungen über Himmel und Hölle über den Haufen wirft, darf trotzdem bezweifelt werden. Vielleicht ist es ja auch ganz anders, heißt es doch an anderer Stelle (Lukas 1,37) leicht abgewandelt »… im Himmel ist nichts unmöglich«. Na dann: »Lass‘ ma uns überraschen und schauma mal was uns temperaturmäßig einst blühen wird«.

2025 12 04/Fritz Herzog

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